Once in a lifetime 7

mein Weg zu einem Promille

Nach der Generalprobe wurde noch bis halb drei gefeiert, bevor ich komplett geschlaucht ins Bett fiel. Uns gönnten sie eine längere Nacht, der Samstagvormittag war frei, um halb vier das letzte Training mit Soundcheck und Vorbereitungen für den großen Abend. Unser Arbeitsplatz, sauber und perfekt hergerichtet, ab halb sieben war das Stadion für die Besucher geöffnet, ein DJ stimmte sie ein, wir saßen und aßen in der Relax-Zone, ein stark gekühltes Zelt tat allen gut.

Ab acht sollten wir bereit sein, bereit für das Betreten der Arena, so geplant, dass die mit den entferntesten Plätzen zuerst gehen – für uns logisch, kein Gedränge, wir kennen unseren Platz. 1000 unter Strom Stehende, die alles Mögliche unternommen haben, hier und heute AKTIV dabei zu sein. Mehrere Generationen, international besetzt, natürlich hauptsächlich Italiener wegen der Quote. Es folgten Gruppenfotos von inzwischen befreundeten Teams, Adressdaten wechselten, eine intensive Stunde mit fantastischer Stimmung, Vorfreude, „Schlachtgesängen“, wie aus den Fankurven mancher Fußballstadien bekannt. Bis die Aufforderung kam, den Rasen zu betreten. Der Gang unter den Zuschauertribünen dauerte, hunderte Handys streamten auf social media, auf Instagram und Tiktok wurde schon am Vorabend live gesendet. Der Empfang durch die strahlenden, jubelnden, klatschenden, singenden und auch weinenden Leute wird unvergessen bleiben, einfach zu überwältigend. Nach einer kurzen Ansprache mit Gedanken an die Flutopfer ging es an die Instrumente, das Licht erlosch, nur die hunderten Kopfhörer leuchteten in unterschiedlichen Farben, je nach Instrument. Sekunden später hörten alle darin: “Song starts. Enter Sandman”. Wer den Song von Metallica kennt, weiß, wie es dann zuging. Schon nach den ersten Takten standen mehr als saßen, ganz viele verließen die engen Sitze überhaupt und drängten bis zur Bande am Spielfeldrand, was natürlich zur positiven Stimmung beitrug.

Was dann geschah, lässt sich mit üblichen Auftritten, die ich bereits hinter mir habe, nicht vergleichen. Zwei Stunden vollen Sound, galaktische Stimmung, nur positivste Energie, vergessen alle Strapazen der vergangenen Wochen und nur pure Freude auf allen Seiten. 20 edle Rocknummern, mit “Romagna mia” sogar die Hymne der Region, ergreifende Worte vom Mastermind und Visionär Fabio Zaffagnini und zum Schluss der Titel, mit dem alles 2015 begann: “Learn to fly” von den Foo Fighters. Das Video dazu kann ich wärmstens empfehlen, es war nur die Bitte an die Foo Fighters, einmal in Cesena zu spielen, Rockin1000 war geboren, damals noch eine bescheidene Anzahl von ca 3000 Zuschauern, jetzt füllen sie Stadien weltweit, in Sao Paulo, Bogota, Paris, Rom, Frankfurt, Madrid.

Und ich darf 0,1% dieser Band sein, 1 Promille, mit den sympathischsten Menschen, mit denen ich je musiziert habe, vor einem Publikum, das uns größte Wertschätzung und Dankbarkeit zukommen ließ, das uns frenetisch feierte und von uns nicht so schnell vergessen wird.

Kurz vor Mitternacht endete das Konzert, für die meisten mit Tränen in den Augen und mit Ganzkörpergänsehaut. Eine Stunde später gab’s die Abschlussparty im Club Ippodromo mit open end 😉